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Lost in London 2007

5. Mai

Ja, ich hab 'ne ganze Weile nicht mehr geschrieben. Aber eigentlich wollte ich das hier noch zu Ende bringen, also mal sehen, wie weit ich in der nächsten Zeit komme.

Es war mein dritter Morgen in London, ich hatte aufgrund schnarchender Leute und ständigem Durchgangsverkehr (so kam es mir jedenfalls vor), der auch mit Radio nicht zu übertönen war, beschissen geschlafen und sowieso fing der Tag nicht so prächtig an. Normalerweise schlaf ich ja ziemlich fest, aber irgendwie war da der Wurm drin. Zu müde, um aufzustehen, hab ich dann auch noch das Frühstück verpasst und konnte mir nur noch trockene Cornflakes reinschaufeln. Klar, ich hätte ganz lieb nach der Milch fragen können, aber hey. Kam mir schon blöd genug vor, als ich nach einer Steckdose fragte und dann merkte, dass mein Adapter nicht passte. Ok, hätte man drauf kommen können, wenn da "USA" drauf steht... Für 3 Pfund hätte ich mir einen passenden kaufen können, aber so grob überschlagen und das nervige Handyladen bedenkend entschied ich mich dafür, das Geld stattdessen in gelegentliches Internetsurfen und Emails-Checken zu investieren. Rund 40 Minuten für 50p ist ja wohl ein mehr als guter Preis.
So machte ich mich dann handylos zum Southbank Centre auf. Es war atemberaubend. Atemberaubend hässlich. Ein Betonklotz aus den 50er Jahren, der (hoffe ich zumindest) damals schon keine Architekturpreise abgestaubt hat. Einige Tage später erfuhr ich, dass dieses Ungetüm tatsächlich einmal zum hässlichsten Gebäude Londons gewählt wurde. Zurecht, wenn man mich fragt. Das Guitar Festival dort schien nicht großartig im Gange zu sein und ich verspürte sowieso kein großes Bedürfnis, in diesem Klotz rumzulaufen. Stattdessen wollte ich das Museum of the Moving Images (MOMI) suchen, das in meinem Reiseführer angepriesen wurde und irgendwo beim Southbank Centre sein sollte. Ich fand das nett gemachte National Film Theatre und seine Cinemathek, in der man sich kostenlos an PC-Terminals mit Kopfhörern mehr oder weniger typisch englische Filme ansehen konnte. Ich meldete mich für eine Stunde an und machte es mir mit Monty Pythons Flying Circus bequem. Das hob meine von trübem Wetter und unansehnlichen Häusern angeschlagene Laune kräftig an.
Mittlerweile war es Mittag, ich schlängelte mich durch das Labyrinth mit dem Namen Waterloo Station, tauschte Traveller Cheques gegen Bargeld und fuhr endlich das erste Mal mit der Tube. Prima Sache, das. Und zwar fuhr ich abermals nach Covent Garden, um mir das Ticket für Lord of the Rings zu holen. Ich wusste zwar nachwievor nicht, ob das ein Musical oder Theaterstück oder meinetwegen auch Travestieshow war, aber im Prinzip war mir das auch egal. Der Ticketverkäufer war wirklich sehr nett und geduldig mit mir. Eigentlich wollte ich ihm die Telefonnummer des Hostels geben, falls sich bei der Vorstellung etwas ändern würde, aber in einem Anfall von Ordnung muss ich den Zettel wohl aus dem Rucksack geschmissen haben. Egal. Das Ticket im obersten Rang kam nur sagenhafte 5 Pfund, da es bei den Previews auf alle Plätze 10 Pfund Rabatt gab. Als nächstes hab ich mich noch gut und günstig in einem engen italienischen Restaurant sattgegessen. Da liefen Leute mit Werbeschildern und Flyern herum für einen Hauptgang + Softdrink zum Mittag für nur 4,98 plus Trinkgeld. Wenn das nix ist. Die Art zu bezahlen fand ich dann doch sehr seltsam: Die Rechnung kam in einer Mappe. In diese steckte ich meinen Geldschein, die Mappe wurde wieder mitgenommen. Das Wechselgeld wurde anschließend auf einem kleinen Teller gereicht. Ich hab gehört, man solle auf diesem Teller das Trinkgeld liegenlassen, aber da das schon auf der Rechnung einkalkuliert war, hab ich mir das gespart. Covent Garden machte mir wieder richtig gute Laune, die erwähnten Straßenkünstler und Sänger legten sich echt in's Zeug. Spontan kam dann auch endlich die Sonne raus. In der Markthalle warf ich noch einen Blick in einen spaßigen Laden namens "London Rocks". Im Angebot: Verschiedene Memorabilia, Schallplatten, T-Shirts, ...
Nun ging es auf zum Hyde Park, ein richtiger schöner Ort. Allgemein muss ich sagen, dass alle Plätze in London, wo keine Autos fahren dürfen, schonmal fantastisch sind. Eine ganze Weile saß ich einfach nur in der Sonne, bis ich mich auf nach Camden Town machte. Mit der Tube ging es nach Kings Cross, dort Cola und das TimeOut-Magazine gekauft (sehr empfehlenswerter Veranstaltungsführer). Wie immer verlief ich mich, fand den Weg, verlief mich nochmal und landete in einem samstags ziemlich verlassenen Industrieviertel. Mit riesigen Umwegen gelangte ich schließlich ans Ziel. Herrlich turbulentes Viertel, in das ich am nächsten Tag nochmal zurückkehren wollte, diesmal hoffentlich früher. Ein ernüchternder Blick in's Odeon (Kino): 8,80 Pfund für die billigste Karte. Der Kanal (ich hatte vorher nie gehört, dass es in London überhaupt Kanäle gibt. Ziemlich naiv, nicht?) sah sehr nett aus. Außerdem sollte dort der "Waterbus" fahren, ein Boot, das an 3-4 Stationen haltmachte. Leider war es dafür zu spät, auch das nahm ich mir für den nächsten Tag vor. Per Tube ging es zurück in's Hostel, wo ich den Abend abermals auf der Couch mit netten Gesprächen beendete.
29.7.07 17:26


4. Mai

Hab beim Frühstück den ersten (und einzigen) Deutschen in London kennengelernt, A. aus Weimar. Zusammen haben wir Ja. Tips für seinen Deutschlandtrip gegeben. Na gut, die meisten Tips konnte A. beisteuern, da ich mich in München, besonders in seinen Brauereien und Biergärten, nicht wirklich auskenne.
Dann wollte ich endlich meine erste Tubefahrt antreten... das stellte sich leider als etwas schwierig heraus. Laut meiner gefundenen Tubemap sollte die Northern Line ab Elephant & Castle fahren. Gefunden habe ich sie nicht. Ich hab 15 Minuten damit verbracht, rund um den Platz zu laufen und die Tunnel zu erkunden und sah für die Leute auf dem kleinen Markt vermutlich ziemlich lächerlich aus. Hab mich von Wegweisern im Kreis herumführen lassen. Und hab am Ende den Bus zur London Bridge genommen und mir geschworen, auf keinen Fall nochmal die Northern Line an dieser Haltestelle zu suchen. Vielleicht hätte ich einfach mal dort aussteigen sollen, aber irgendwie hat sich das nicht ergeben.
Randbemerkung zu den Wegweisern in London: Irgendwann ging mir auf, dass diese zu einem einzigen Zweck existieren. Menschen in die Irre zu führen. Von diesem Moment an hab ich mich auf meinen Orientierungssinn und den Stadtplan verlassen und die Wegweiser gekonnt ignoriert. Naja, meistens...
Von London Bridge bin ich an der Bankside (das ist die Südseite der Themse) Richtung Tate Modern langgelaufen. Auf dem Weg gab's eine Reihe interessanter Dinge. Das erste war ein Nachbau des Schiffes von Sir Francis Drake, der Golden Hinde, über den ich quasi gestolpert bin. Man kann dort sogar übernachten! Das wär doch mal eine Alternative. Ein interessantes Restaurant gab's auch daneben - Zitat der Speisetafel: "Which came first, the chicken or the chili?". Na wenn das nicht vielversprechend ist.
Ein paar Meter weiter befindet sich das Clink Prison Museum. Von außen sah es ganz gut gestaltet aus, mich haben nur erstmal die 5 Pfund Eintritt abgeschreckt. Ich wollte drauf zurückkommen, falls ich das Geld am Schluss übrig haben würde. Leider ist da nix draus geworden.
Das Wetter war, nebenbei gesagt (und weil es gerade in meinen Notizen steht) ziemlich windig, aber noch ohne Regen.
Als nächstes stand ich vor dem Globe Theatre. Hab mich drinnen ein bischen umgesehen und unter anderem den Souvenirshop begutachtet. Shakespeare-Souvenirs in Massen, Spruchtafeln, Bücher, ... meine Englischlehrerin in der 12. Klasse hätte ihre helle Freude daran. Klingt es eigentlich peinlich, wenn ich sage, dass ich mir das Theater runder vorgestellt hätte? Naja, wie auch immer.
Inzwischen war es Mittag und ich wollte in die Tate Modern. Ich habe den Eingang gesucht... ich habe das Gebäude gefunden... und nach dem Hintereingang schließlich auch den Eingang selbst und dabei festgestellt, dass ich schonmal fast davor stand. Die Ausstellung fand ich gut, war in 4 Teile gegliedert plus eine kostenpflichtige Sonderausstellung, die von außen auch gut besucht aussah. Das war dann auch mein Problem, es war für meinen Geschmack verdammt voll da drin. Meine Favoriten waren wohl unter anderem deshalb auch die verschiedenen Kurzfilme, allen voran einer, in dem der Künstler drei Kameras in einer Tonne befestigt hatte und diese durch die Straßen New York Citys rollt. Ich liebe diese Perspektivveränderungen.
Wieder draußen gab's erstmal einen leckeren Hot Dog mit Zwiebeln für mich und danach ging's zurück zur London Bridge. Den London Dungeon dort kann man kaum verfehlen, also keine Sucherei dieses Mal. Der Dungeon ist verdammt genial gemacht, hat mir großartig gefallen. Es gibt herrlich gruftig gestaltete Gänge, ein Spiegellabyrinth, aus dem wir nicht von selbst heraus gefunden haben (ob das wohl so gewollt war), einen relativ harmlosen Freefall am Ende und nicht zuletzt wunderbare Darsteller. Freaky Job! Themen sind natürlich Folter und Hinrichtungen, außerdem das Great Fire of London ("London is on fire! Come take a look!") und Jack the Ripper. Im angeschlossenen Shop gibt es auch eine Reihe seeeehr interessante Dinge. Leider hatte ich gerade mal 11pence übrig, nachdem der Eintritt etwas höher ausgefallen ist, als in meinem Reiseführer stand. Das kommt davon, wenn man den Reiseführer von vor 10 Jahren mitnimmt. 19 Pfund inklusive eines 5-Pfund-Gutscheines für Attraktionen in England ab November, den ich wohl kaum einlösen werde, kam der Spaß. In dem schummrigen Licht an der Kasse hab ich natürlich nichts von dem ungewohnten Geld erkannt und der Kassiererin ganz stumpf die ganzen Münzen gegeben und sie gebeten, sich das Eintrittsgeld doch bitte selbst rauszusuchen. Ich hatte ja schon befürchtet, es würde nicht reichen, aber wie gesagt. Gelohnt hat sich's trotzdem!
So abgebrannt hab ich mich dran gemacht, einfach irgendeinen Teil Londons zu erkunden. Ich bin in den nächstbesten Zug gestiegen und irgendwo ein Stück südlich von Greenwich gelandet. Ich hab nicht mal den Namen des Viertels aufgeschrieben, es könnte aber entweder Lewisham oder New Cross gewesen sein... wobei ich zu Lewisham tenidere. Dort hab ich mich kurz umgesehen, festgestellt, dass es nicht viel zu sehen gibt und bin im stilvollen roten Doppeldeckerbus, natürlich oben sitzend, quer durch Greenwich zurück in die Innenstadt gefahren. Schon spaßig, die Hinfahrt mit der National Rail hat vielleicht 15 Minuten gedauert, die Rückfahrt mit dem Bus circa eine Stunde. Dafür sieht man dabei auch mehr. Greenwich sah wie ein richtig schönes Viertel aus, das würde ich mir noch genauer ansehen. Natürlich inklusive Observatorium und Nullmeridian.
Am nächsten Tag wollte ich zum Southbank Centre, wo ein Guitar Festival stattfinden sollte, zu American Express (AmEx) um wieder zu Bargeld zu kommen (11p, wir erinnern uns) und nach Camden Town. Am Abend dieses dritten Tages war mein Handyakku runter, im Zimmer hab ich keine Steckdose gefunden, ich wollte also am nächsten Morgen mal nach einer Lademöglichkeit fragen.
10.6.07 19:22


3. Mai

Frühstück steht von 7 bis 10 a.m. zur Verfügung, meiner Meinung nach sehr entgegenkommende Zeiten. Ich hab jedenfalls nur einmal verschlafen und musste meine Cornflakes ohne Milch futtern. Neben Cornflakes in 4 Sorten und Milch in 2 Ausführungen gab es verschiedene Brotsorten und ein ganzes Arsenal an Aufstrichen von Nutella über echte Marmelade (die englische Orangenmarmelade) und Strawberry Jam (Erdbeermarmelade) bis zu "Marmite" (ein Aufstrich, der angeblich die Gemüter spaltet. Ich hab leider vergessen, ihn zu probieren). Gegessen wurde dann im Common Room, im Hintergrund eine englische Talk Show (qualitativ gleichwertig mit diversen (Nach)Mittagssendungen auf RTL, Sat1 und Co), netterweise sogar mit englischen Untertiteln und vielen *Piep*-Lauten. Mir gegenüber saß Ja. aus Kanada, den ich jedoch erst am Abend kennenlernte. So früh am Morgen englisch reden? Da wäre nicht viel Gutes bei rausgekommen.
Noch ohne Travelcard hab ich mich gegen 10 Uhr zu Fuß in die Stadt aufgemacht. Mein kühnes Vorhaben: Durch Lambeth und Waterloo geradewegs Richtung London Bridge spazieren und von dort aus an der anderen Seite der Themse die ersten Touristenstationen erkunden. So der Plan... Die Umsetzung brachte einige Erkenntnisse mit sich:

1. Ich habe noch nie so viele Jogger in einer Stadt gesehen. Im Nachhinein denke ich, dass ein Londoner in Dresden das gleiche über unsere Radfahrer sagen würde.
2. London scheint eine einzige große Baustelle zu sein.
3. Bauarbeiter, Polizisten und Straßenreiniger tragen allesamt die von Weitem gleich aussehenden signalgelben Sicherheitswesten. Das kann ziemlich seltsam wirken, wenn man eine Straße langgeht und die einzige ohne kanariengelbes Oberteil ist.
4. Hätte ich doch bloß meinen Komplass mitgenommen...
5. Verkehrslärm verursacht Kopfschmerzen. Notiz dazu in meinem Reisetagebuch: "Gimme a break of that traffic noise".

Nach endlosen Irrungen und Blicken in den Stadtplan überquerte ich London Bridge, sah mir das "Monument" an und versuchte (erfolglos, wie ich leider zu Hause feststellte), diese riesige Steinfackel, die an das Große Feuer von London (1666) erinnern soll, auf einem Foto festzuhalten. An der Bank of England machte ich die nächste Pause, verhalf jemandem zu einem Foto und ging als nächstes zu St. Paul's Cathedral. Ich wollte keine 6 Pfund Eintritt zahlen, also trieb ich mich ein paar Minuten im Eingangsbereich rum, betrachtete von dort aus den Innenraum, die Kuppel und was man sonst noch alles vom Eingangsbereich einer Kathedrale aus sehen kann. Draußen war St. Paul's von einem hübschen kleinen Park umgeben, der eine willkommene Erholung vom Londoner Verkehr war.
Laut Reisetagebuch bin ich als nächstes zur Themse gegangen, dort ein bischen langspaziert, bevor ich mir Fleet Street angesehen habe. Ehrlich gesagt kann ich das gerade nicht ganz nachvollziehen, da das laut Karte ein ziemlicher Umweg gewesen sein muss. Andererseits kann ich nicht behaupten, in London niemals Umwege gegangen zu sein, also wird das schon so stimmen. Vor der Old Bank of England sind mir zwei Steinsäulen mit Fackeln oben drauf aufgefallen. Hab das für eine sehr gute Idee gehalten, da es verdammt kalt war. Ein paar Seitenstraßen später hab ich mich in Covent Garden wiedergefunden, ein Ort, an den ich noch öfter zurückkehren würde. Die "Hauptattraktion" dort war die Markthalle, in der und um die sich sehr unterhaltsame Straßenkünstler positioniert haben. Einradfahrer, Jongleure, Menschen, die den guten alten Tischdecke-von-gedecktem-Tisch-ziehen-ohne-dass-etwas-runterfällt auch rückwärts ausführen können... Kurz sehr abwechslungsreiche Unterhaltung. Ein paar Meter weiter ist mir ein Plakat von "Lord of the Rings" aufgefallen. Das Musical sollte ab dem 9. Mai in Previews aufgeführt werden und ich nahm mir vor, bald ein Ticket dafür zu kaufen. Außerdem in Covent Garden befanden sich das London Transport Museum, leider nicht kostenfrei, und das London Theatre Museum, leider vorübergehend geschlossen.
Zunächst ging ich auf die Suche nach American Express, ich musste einen meiner Traveller Cheques wechseln, um Geld für's Mittagessen zu haben. Kurz vor Trafalgar Square fand ich eine Filiale. In einem netten Gespräch machte mir die Dame am Schalter klar, dass AmEx seit Neuestem Gebühren auch für das Umtauschen eigener Traveller Cheques eingeführt hat. Ich Glückspilz. Und das mit dem Glückspilz mein ich jetzt ganz unironisch, denn sie gab mir trotzdem volle 20 Pfund, weil es ja das erste Mal war. Und weil ich vermutlich nicht gerade den Eindruck hinterlassen habe, Geld wie Heu zu haben. Auf der Suche nach einem billigen Restaurant trieb ich mich anschließend in Soho rum. Irgendwie hatte ich mir dieses Viertel immer mit etwas mehr Flair vorgestellt... im Prinzip reihte sich nur Gaststätte an Pub an Imbiss an Gaststätte endlos aneinander. Zudem schreckte mich jede einzelne mit ihren Preisen ab. So ungewohnt daran, 10 Euro für mein Mittagessen zu bezahlen, lief ich weiter hungrig umher, landete am Piccadilly Circus (Ein Platz, den ich mir größer vorgestellt hätte. Viel mehr als die berühmte Werbetafel an der runden Häuserecke war da nicht zu sehen) und tat etwas, was ich während meines Aufenthalts in London nicht mehr tun würde: Ich kaufte mir Pommes, McFlurry und Muffin bei McDonalds. So kam ich zwar billiger weg, hatte aber sehr bald wieder Hunger. Dumm gelaufen. Nunja, vorübergehend glücklich mampfend setzte ich mich mit Pommes und McFlurry in den wunderschönen St. James's Park, durchquerte diesen anschließend Richtung Buckingham Palace und stolperte über zwei weitere der oben genannten Säulen, diesmal unangezündet. Ich vermute vage, dass die Dinger etwas mit den olympischen Spielen 2012 zutun haben könnten, olympische Fackel undso. Am Buckingham Palace ist nicht viel los, die Guards stehen pflichtbewusst da, ein paar Touristen machen Fotos, einer leiht sich kurz meinen Stadtplan und ich mache mich schließlich auf den Rückweg nach Lambeth. Dieser gestaltet sich natürlich wieder einmal schwierig, da es mir gewaltig an Orientierungssinn in dieser planlosen Stadt mit ihren kurvigen Straßen mangelt. Ich höre also etwas Radio, während ich irgendwie bei Victoria Station lande, kaufe mir dort meinen ersten "echten" Smoothie, finde zu meiner großen Beruhigung eine Karte der Londoner U-Bahnen, kurz Tube-Map (mal ehrlich, englisch ist so viel kürzer als deutsch...) und komme schließlich 8 Uhr Abends völlig erschöpft in Journey's Hostel an. Nach 10 Stunden auf den Beinen verbringe ich den Rest des Abends auf dem sehr gemütlichen blauen Sofa, plaudere mit R. und Ja., lerne Jo. aus Australien kennen und gehe voller Vorfreude auf meine ab dem Folgetag geltende Travelcard (so viele neue Möglichkeiten to get lost!) ins Bett.
22.5.07 21:42


2. Mai

Am Vorabend seit Langem mal wieder "A hard day's night" angesehen, dann spät eingeschlafen und viel zu früh aufgewacht - ja, so ging der erste Reisetag los. Vorschriftsgemäße 2 Stunden vor Abflug waren wir (= Papa und ich) auf dem übersichtlichen, verhältnismäßig kleinen Flughafen Dresden und ich hab mein Gepäck eingecheckt. Danach war noch jede Menge Zeit, wir haben noch was gegessen, bis ich gegen Viertel 4 in den Abflugbereich gegangen bin. Ein paar Sicherheitschecks und Taschenkontrollen später saß ich auch schon mit 2 Dutzend anderen Leuten, teils deutsch-, teils englischsprachig, vor dem Abfluggate und konnte mein Gepäck in dem Flugzeug verschwinden sehen, in das ich dann auch endlich gehen durfte. Der Flug war mit 2 Stunden erträglich kurz, inklusive effektiver Zeitersparnis von einer Stunde. Fensterplatz, keine Sitznachbarn, leckere Sandwiches, Cola mit Eis und Zitrone (!) - was will man mehr? Während des hab ich noch ein bischen in "London preiswert" gelesen, unter anderem über den Flughafen Gatwick und wie ich von dort am besten wegkomme. Nebenbei gesagt hat sich das Buch sehr ausgezahlt (gut, ich hatte es sowieso nur aus der Bücherei geliehen), mit prima Tips und Tricks und Tralala. Was der Autor vergessen hat, zu erwähnen, war die immense Größe der (Mehrzahl? Vermutlich.) Londoner Flughäfen.
Angekommen in LGW bin ich eine halbe Stunde durch verwinkelte Gänge, über Rolltreppen und Laufbänder spaziert, teilweise ohne einen einzigen Menschen in Sichtweite, bis ich endlich zu den Gepäckbändern und damit einem etwas belebteren Teil des South Terminal gekommen bin. Mein blauer Rollkoffer - mit dem typischen Regenbogenband und kleinem Schloss versehen - drehte schon gemütlich seine Runden. Ich machte mich zusammen mit ihm auf den Weg zum Southterminalexpress, einem kostenlosen Zug, der South- und Northterminal miteinander verbindet. Die Fahrt dauerte 2-3 Minuten - das mal zur Verdeutlichung, wie verdammt groß Gatwick Airport ist. Oder auch, wie verdammt klein unser Flughafen in Dresden einem plötzlich erscheint. Vom Zeitpunkt der Wiedervereinigung mit meinem Koffer bis ich das Zugticket in die Innenstadt in der Hand hielt, verging nochmal eine halbe Stunde. Ich vermute, dass ich das Ticket, das einen ganzen Tag gültig war, nicht wirklich gebraucht hätte, aber ich war müde und wollte nur schnell ins Hostel. Leider erwies sich das als komplizierter als ich gedacht hätte. Zwar hatte ich eine Wegbeschreibung mit der Bestätigung meiner Hostelbuchung bekommen, nur hießen die Züge auf den Anzeigetafeln ganz anders, als in meiner Beschreibung. Ich stand also eine Weile unschlüssig zwischen den Zugängen zu den Gleisen 1 bis 4, stieg schließlich in einen Zug der Thameslink Rail und es kam wie es kommen musste: Er fuhr nicht nach London rein, sondern Richtung Brighton, seines Zeichens Hafenstadt südlich von London. Irrtum bemerkt - gehofft, nicht gleich in die nächste Fahrkartenkontrolle zu rasseln - sofort wieder ausgestiegen - Thameslink Rail Richtung Bedford genommen (wenigstens die Zuglinie war die Richtige). Zwischen den Haltepunkten spannten sich endlose Strecken an Vororten, viel Grün, flache Hügel. Eindruck des Londoner Umlandes = sehr hübsch.
An der Station mit dem wunderschönen Namen "Elephant and Castle" bin ich ausgestiegen und habe angefangen mich zu verlaufen. Das Wort "verlaufen" in allen Variationen wird in diesem Bericht noch öfter vorkommen.
2,5 Stunden nach dem Aufsetzen des Fliegers in LGW hab ich endlich Journey's Hostel Waterloo gefunden. Die Türen sind mit elektronischen Schlössern ausgestattet, die Zimmer zwar eng, aber wen stört das schon (?), WC und Dusche sauber, der Common Room gemütlich mit Sofas, Tischen und Hockern, Billardtisch und Filmleinwand ausgestattet und last but not least ist das Personal wunderbar freundlich und zuvorkommend. In "meinem" Zimmer 2 hab ich schon den ersten Mitbewohner kennengelernt, R. aus Frankreich, und mich erstmal ausgeruht. Gegen 10 Uhr abends konnte ich allerdings nicht widerstehen, die Umgebung zu erkunden. Mein Abendspaziergang führte mich über die Lambeth Bridge zur Westminster Bridge, dem Houses of Parliament und Big Ben. Ich weiß, dass eigentlich nur die Glocke so heißt, ich kann mir nur den Namen des Turms nicht merken. Die Bauwerke wirken Dank der Beleuchtung atemberaubend riesig. Leider war das Licht zu schwach, um gute Fotos davon zu machen. Auch einen ersten Blick auf das berühmte London Eye habe ich werfen können. Um das mal vorwegzunehmen: Ich bin nicht damit "gefahren", aber es stahl sich auf eine beträchtliche Anzahl meiner Bilder. Mein erstes Londoner Fotomotiv ist übrigens ein Schild, das nur ein paar Meter neben Journey's steht. Der Text: "Burglars beware. Police operating in this area." Ist das die typisch englische Freundlichkeit? Netter Gedanke jedenfalls, die potentiellen Einbrecher vor der patrouillierenden Polizei zu warnen.
So endete mein erster Tag in London, Fortsetzung folgt.
21.5.07 20:47





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